Donnerstag, 11. Oktober 2012

Interviewreihe – "Plötzlich Eltern"

Wie gestern schon angekündigt gibt es nach einem Jahr „Mama for Sale“ etwas Neues. Ich starte eine Interviewreihe mit jungen Eltern, die über ihr neues und aufregendes Leben mit Baby sprechen, ihre Gefühle und damit verbundenen Herausforderungen. Etwa ein- bis zweimal im Monat wird es ein neues Interview geben. Dabei werde ich wenn möglich versuchen, beide Eltern einzubeziehen, daher auch der Name der Interviewreihe „Plötzlich Eltern“. Es ist interessant, beide Sichtweisen zu hören und wie sie sich ähneln, aber auch unterscheiden. Wenn ein Baby auf einmal zum Leben dazugehört, wissen die meisten Erst-Eltern trotz ausführlicher Information im Vorfeld nicht richtig, was sie erwartet. Denn so richtig echt kann einen doch kein Buch oder Gespräch mit Eltern-Freunden vorbereiten, oder? So ganz plötzlich wird zwar niemand Mama oder Papa, da man die Schwangerschaft schon als Zeit der „Vorbereitung“ hat, aber irgendwie kommt dieses neue Lebensgefühl dann doch sehr plötzlich. Um dieses neue Lebensgefühl geht es in der neuen Interviewreihe. Interviewt werden junge Eltern bei denen das jüngste Kind nicht älter als zwei Jahre ist. Dadurch ist die Erinnerung an den neuen Lebensabschnitt noch relativ frisch. Die Interviews werden persönlich von mir geführt. Wer von meinen lieben Lesern Lust auf ein Interview hat, kann sich aber gern bei mir melden. Per E-Mail lässt sich ein Interview auch gut führen.

Und jetzt geht’s los! Hier das erste Interview. Zurücklehnen, entspannen, und viel Spaß beim Lesen!

Gemeinsames Essen ist erstmal passé

Zehn Wochen ist ihre kleine Tochter L. nun. Die letzten Tage und Wochen waren für Mama T. (28) und Papa J. (28), die aufregendsten ihres Lebens. T. bleibt ein Jahr mit L. zu Hause, während ihr Partner nach zwei Wochen Urlaub direkt nach der Geburt wieder arbeiten geht. Zur Familie gehört auch noch ein Hund, der den Familienzuwachs ohne Probleme gleich akzeptiert hatte.
Stolze Eltern J+T mit Tochter L.
Wie geht es Euch jetzt?
 
Papa J.: Am Anfang wusste man ja schon nicht so, was einen erwartet. Jetzt haben wir uns aber zu Dritt gefunden. Der Tagesablauf ist natürlich ganz anders geworden.

Mama T.: Wir haben versucht, vertraute Dinge und Abläufe auch beizubehalten. Im Vorfeld hat man ja viel gehört und gelesen. Von Freunden wurden oft nur die positiven Dinge erzählt. Als L. dann da war, habe ich es schon als schwierig enpfunden, einen eigenen Weg zwischen all den Ratschlägen zu finden. Die Hebamme war sehr hilfreich und eine enge Vertraute. Ich habe auch gemerkt, dass es uns besser geht, seit wir die Wochenenden weniger voll gepackt haben. All diese Besuche und Verpflichtungen setzten uns zu sehr unter Stress. Die Familie wollte, dass wir zu Ihnen kommen. Das tat mir und L. nicht gut. Jetzt verbringen wir viel mehr Zeit nur zu Dritt.

Wie geht es Eurem Baby?
 
Mama T.: L. hat sich zu Hause eingelebt. Durch Wachstumsschübe ist es immer ein auf und ab. Sie meldet sich schnell und lautstark, wenn sie was braucht. Irgendwie hat man da schon das Gefühl, dass sich der Charakter hier schon in Ansätzen zeigt. Im Moment lässt sie sich auch schonmal für eine Stunde ablegen. Tagsüber ist sie sehr aktiv und schläft nicht sehr viel. Dreimal etwa eine halbe Stunde.

Was macht Euch gerade am meisten zu schaffen?  

Papa J.: Dass sie so unberechenbar ist. Man weiß nie, schreit sie jetzt, schreit sie nicht, wie lange? L ins Bettchen zu bringen am Abend zieht sich sehr lange hin, da hat man dann weniger Zeit für sich.

Mama T.: Alles ist nicht mehr planbar. In den ersten vier Wochen gab es so etwas wie einen Rhythmus, aber ab der 5.Woche war alles hinfällig. Ich habe das Unregelmäßige jetzt akzeptiert.

Was bereitet Euch am meisten Freude?

 
Mama T.: Ihr Lächeln! Sie fängt an auf Dinge zu reagieren. Ich finde es faszinierend, mit welchen Geräuschen sie sich ausdrückt und wie sie sich jeden Tag entwickelt.

Papa J.: Dass sie sich nun schon mal 5-10 Minuten im Laufgitter selbst beschäftigt.

Welche Erwartungen hattet ihr vorher und was hat sich verändert, seit das Baby da ist?
 
Papa J.: Ich habe erwartet, dass man nicht mehr so flexibel ist. Was ich nicht gedacht habe ist, dass man als Mann keine Chance hat, wenn die Kleine bei Mama stillen will. Man bekommt sie dann nicht allein ruhig. Überrascht hat mich auch, wie oft so ein kleiner Mensch am Anfang zum Arzt muss. Seit L. da ist, haben wir kaum zusammen eine Mahlzeit eingenommen, weil sich immer einer um die Kleine kümmert. Achso, und wir schlafen jetzt zu Dritt im Bett.

Mama T.: Ich hatte erwartet, dass die Nächte schlimmer sind. Aber L. schläft nach dem Stillen gleich wieder ein. Nach der Geburt musste ich meine Rolle neu definieren. Ich bin zu Hause mit dem Baby. Mein Partner geht weiter arbeiten und ist mobil. Ich bin nicht mehr so felxibel wie vorher. Trotzdem hätte ich nicht gedacht, wie schnell man in die neue Rolle hineinwächst.

Geht ihr abends schon wieder weg?

 
Papa J.: Ich mache Sport, wie Radfahren oder Joggen. Wirklich weg gehe ich abends nicht. Aber ich war schon vor der Geburt partymäßig nicht so viel unterwegs.

Mama T.: Allein ohne L. war ich bis jetzt noch nicht weg. Wenn dann ist es eher so, dass J. mit L. das haus verlässt und ich mal eine Stunde nur für mich habe. Wenn meine Mama mal mit L. unterwegs ist, habe ich momentan noch zuweilen ein ungutes gefühl und möchte wissen, ob alles in Ordnung ist.

Was wünscht ihr Euch für die Zukunft?

 
Mama T.: Ich wünsche mir, dass die Nähe bleibt und das viele Kuscheln. Ich möchte immer Zeit für L. haben und für sie da sein, so dass sich ein Vertrauen aufbauen kann.

Papa J.: [lacht] Ich wünsche mir, dass L. abenteuerlustig wird, so ein Mädchen mit dem man Kirschen klauen kann.
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Danke für das Interview! Ich wünsche Euch alles erdenklich Gute für Eure kleine Familie.

Kommentare:

  1. Eine super Idee. Dieses erste Interview ist so interessant und ich glaube alle jungen Eltern haben ähnliche Sorgen. Vielen Dank, dass du dir so eine Mühe machst, um uns zu unterhalten!

    Herzliche Grüße aus Berlin,
    Michaela

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  2. Deine Aktion finde ich super gut und vor allem sehr interessant! Toll! :)

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  3. Das ist eine schöne Idee!!! Tolles Interview

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  4. Tolle Idee. Und die jungen Eltern hier im Interview treffen vieles auf den Punkt. Schön finde ich die Zukunftswünsche, Mama will ein Kuschel-Kind und Papa ein Räuber-Kind, so wäre wahrscheinlich auch unser Statement ausgefallen ;)

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  5. Tolles Interview! Bin super gespannt auf folgende!
    (Würd mich auch wohl interviewen lassen, wenn du magst :) )

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    1. Oh! Super. Ich melde mich per E-Mail bei Dir!

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  6. Das war ein super Anfang für eine tolle Reihe! Bin gespannt auf mehr!

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  7. Danke, Ihr Lieben für Eure Komplimente und tollen Kommentare. Das nächste Interview ist schon in Planung :)

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  8. eine tolle idee!
    hast du das bild dazu selbst entworfen?

    es ist spannend einblicke in familien zu bekommen. meist kennt man ja nur die eigenen abläufe und gedanken - oder eben die des direkten umfelds.

    ich bin auch gespannt auf mehr :)

    liebste grüße und ein schönes wochenende

    halitha

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    1. Ja, das Bild/ Logo dazu habe ich selbst gemacht. Gebastelt in Illustrator und mit kritischem Blick vom Mann entworfen :) Die neuen Interviews sind schon in Planung :) LG Katrin

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  9. Wirklich eine tolle Idee und interessant zu lesen.
    Vielleicht eine Idee fürs nächste Mal, wenn die Familie anonym bleiben will: Ich finde es angenehmer Namen zu lesen als T., J. oder L. Du könntest dir ja vielleicht Pseudonyme ausdenken!? Wäre nur so eine Idee, ich finde das verbessert die Leserlichkeit :)

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    1. Hey Katie, das ist ne super Idee! Ich bereite schon das nächste Interview vor und werde es teils wie von Dir vorgeschlagen umsetzen. Danke für Dein Feedback. LG!

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