Im Januar 2012
begann ich mit dem Häkeln. Abgesehen von Topfläppchen in
der Schulzeit, war ich totaler Anfänger. Zu diesem Zeitpunkt war ich
schon an der Nähmaschine kreativ und nähte Sachen für meinen Sohn. Beim
Häkeln reizte mich jedoch, mit wie wenig Materialien man einfach
loslegen konnte. Häklenadel und Wolle passen in jede Handtasche. Meine
Nähmaschine nicht. Ich lernte häkeln insbesondere mit diesem
wundervollen Blog
„Crochet Geek“ (englisch), wo ich in Videos jede
Masche nachvollziehen konnte. Dann brachte mir meine Schwiegermutter
noch ein paar weitere Grundregeln bei. Vor kurzem brachte ich mir bei,
Häkleschriften in Magazinen zu lesen. Doch ich weiß noch längst nicht
alles! Bisher habe ich vorwiegend Amigurumi Tierchen und Granny Squares
gehäkelt. Im Moment arbeite ich an einem Kleiduungsprojekt für mich.
Während dieser Projekte fragte ich mich immer wieder, auch angeregt
durch Nachfragen des Mannes, warum ich eigentlich so gerne dasitze und
ewig lange an was rumhäkle, was man viel billiger und ohne viel Aufwand
kaufen könne. Es ist zum einem dieses schöne Gefühl, wie bei allen
Do-it-yourself Projekten, etwas mit den eigenen Händen zu schaffen und
dabei zuschauen zu können, wie Masche für Masche unter den eigenen
Händen etwas anfassbares entsteht. Ich habe einen verkopften Beruf, wo
ich kein Ergebnis in den Händen halte. Da ist mir das Häkeln (und auch
das Nähen) ein ganz wichtiger Ausgleich. Das Arbeiten an einem
Häkelprojekt ist selbstbestimmt. Ich überlege mir was ich machen will,
entscheide mich für Muster und Material, bestimme das eigene Tempo. Es
gibt kein (oft lästiges) Abstimmen mit zig Beteiligten, wie im
Berufsleben der Fall.
Das Ergebnis des Häkelns ist dann einmalig. Niemand anderes hat das
gleiche Stück! Es macht mich stolz, wenn der Knirps mit den kleinen
gehäkelten Tierchen spielt oder sich in ein Granny Square Kissen
kuschelt, was ich an vielen Abenden gefertigt habe. Diese Stücke sind
einfach etwas ganz besonderes.
Häkeln ist auch eine Gelegenheit in einer Welt voller Ablenkungen,
ständiger Beschleunigung und dauernder geteilter Aufmerksamkeit für
tausend Dinge, mich ganz und gar auf eine Sache zu konzentrieren, sich
auf sie einzulassen und voll darin aufzugehen. Wiederholende Muster
wirken dabei fast meditativ auf mich. Ich setze mich bewußt hin, um ein
paar Maschen zu häkeln, habe Ruhe dabei und kann die Gedanken fließen
lassen. Das gelingt mir beim Nähen nicht ganz so. Da gibt es weniger
Wiederholungen und ich muss mich mehr konzentrieren.
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| Entschleunigung und Ruhe durch Häkeln. |
Freunde fragen mich, warum ich mich stundenlang hinsetze, nur um so ein
Tierchen oder ein Kissen zu häkeln. Ist das nicht Zeitverschwendung?
Siehe oben genannte Gründe: Nein! Es ist bewußte Entschleunigung für
mich. Weg vom hektischen Alltag. Dabei hat jeder seine eigenen Methoden,
um abzuschalten. Ich möchte manchmal auch einfach nur eine TV-Serie
schauen, um zu relaxen. Beim Häkeln jedoch, halte ich nach einer Weile
etwas in der Hand, auch völlig ohne Zeitdruck!
Neulich zeigte mir eine Nachbarin ein paar feste Maschen, die sie
gehäkelt hatte und fragte , ob ich ihr ein bisschen mehr zeigen könne.
Sehr gern! Ich bot ihr an, dass wir eine Frühlingsmütze für ihre Tochter
häkeln könnten. Ist wirklich nicht schwer. Nach ein paar halben
Stäbchen war sie im Häkelfieber und ich freute mich richtig für sie. Ein
paar Tage später war die Mütze fertig und sie erzählte mir, dass das
häkeln spannender als jeder Krimi sei, weil sie so gespannt war, wie das
Ergebnis ausschaut. Das fand ich eine passende Beschreibung! Ich
häkelte ihr noch schnell eine Blume für die Mütze und fertig war sie.
Die Nachbarin hat sich jetzt eine eigene Häkelnadel gekauft. Ich freue
mich riesig für sie, und auch darüber, meine Leidenschaft an jemand
weitergeben zu können.
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| Die Häkelmütze des Nachbarkindes. |
Falls ihr noch nicht häkelt, probiert es doch einfach mal aus!